Was schafft Vertrauen? Das war das Thema meiner diesjährigen Blogparade. In diesem Artikel fasse ich 7 wichtige Erkenntnisse aus den Beiträgen zusammen. Was deutlich wurde: Vertrauen ist ein Thema mit vielen Facetten – das zeigt sich in den ganz unterschiedlichen Beiträgen. Herzlichen Dank an alle, die teilgenommen haben, und mit ihren Beiträgen den Blick auf das Thema Vertrauen bereichert haben. Falls du deine Perspektive auf Vertrauen teilen möchtest: dein Beitrag zur Blogparade ist auch jetzt noch herzlich willkommen. Verlinke dazu einfach deinen Beitrag in den Kommentaren dieses Artikels.
Was schafft Vertrauen? Vertrauen ist meist ziemlich leise und unauffällig. Es prahlt nicht rum. Es stellt sich nicht in den Vordergrund. Es ist einfach da. Es ist der unsichtbare Schmierstoff, der dafür sorgt, dass alle Rädchen gut ineinander greifen und alles läuft, „wie geschmiert“. Erst wenn es plötzlich fehlt, dann macht es sich bemerkbar: auf einmal wird es zäh, anstrengend, kompliziert.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Beiträgen? Vertrauen macht produktiver und schneller. Für Vertrauen kann man sich bewusst entscheiden – und es lässt sich gezielt beeinflussen. Vertrauen braucht gesunde Grenzen und Klarheit. Vertrauen braucht Selbstvertrauen – und auch unsere Körpersprache hat Einfluss auf Vertrauen.
Erkenntnis #1: Vertrauen ist nicht soft und schwammig – die Vertrauensformel macht es greifbar
Wenn man Leute bittet in Worte zu fassen, was Vertrauen ist, dann fällt das vielen gar nicht so leicht. Vertrauen ist irgendwie schwammig und schwer greifbar: „Es ist halt so ein Gefühl. Manchmal ist es da, und manchmal auch nicht – schwer zu sagen warum“.
Ann-Christine Hamisch und Marcus Raitner zeigen in ihren Beiträgen, dass Vertrauen ganz und gar nicht schwammig ist. Sondern sich sogar in eine sehr greifbare Formel und ein Führungsmodell packen lässt. Die Vertrauensformel macht Vertrauen besprechbar und beeinflussbar – und lässt sich damit auch ganz wunderbar in der Teamentwicklung nutzen. Eine konkrete Idee, wie du die Vertrauensformel in deinem Team anwenden kannst findest du in diesem Artikel.
Marcus Raitner zeigt in seinem Artikel, wie Führungskräfte für vertrauensvolle Führungsbeziehungen sorgen können. Denn er ist davon überzeugt: „Freiwillig und mit ganzem Herzen folgen wir nur, wem wir vertrauen.“ Diesen Satz kann ich aus vollem Herzen dreimal unterstreichen! Vor allem den Part „mit ganzem Herzen“. Denn es macht einen riesigen Unterschied, ob Mitarbeitende folgen und „Dienst nach Vorschrift“ machen, oder ob sie „mit ganzem Herzen“ folgen. Nicht nur für die Stimmung – sondern vor allem auch für die Ergebnisse. Die berühmte Extrameile gehen nur Mitarbeitende, die mit vollem Herzen dabei sind. Damit schafft Vertrauen auch Wachstum und Innovation.
Marcus beschreibt in dem Beitrag drei Treiber für vertrauensvolle Führungsbeziehungen: Logik, Authentizität und Empathie. „Wir vertrauen einem anderen Menschen, wenn uns erstens seine Ideen, Argumente und Fähigkeiten überzeugen (Logik), wenn wir ihn zweitens als aufrichtig menschlich wahrnehmen (Authentizität) und wenn wir drittens spüren, dass es dem anderen vorrangig um uns und die gemeinsame Sache geht (Empathie).“
Hier geht’s zu seinem Artikel „Mit Vertrauen in Führung gehen“.
Erkenntnis #2: Vertrauen reduziert soziale Komplexität – es macht schneller und produktiver
Vertrauen macht schneller und produktiver. Das ist eine Kernbotschaft meines eigenen Beitrags zur Blogparade: Vertrauen – der unterschätzte Produktivitätshebel. Aber warum macht Vertrauen schneller und produktiver?
Weil es soziale Komplexität reduziert.
Darauf geht Ann-Christine in ihrem Beitrag ein. Sie greift darin den Klassiker „Vertrauen“ von Niklas Luhmann ein und beschreibt, wie Vertrauen uns dadurch schneller, mutiger und produktiver werden lässt. Schneller, weil wir uns trauen, schneller zu entscheiden – ohne tausend Abstimmungsschleifen oder Absicherungsmails. Mutiger, weil wir aussprechen können, was uns auffällt, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Und produktiver, weil wir mit Vertrauen einfach mal machen – statt alles zu zerdenken oder Ideen wieder fallen lassen, weil wir nicht sicher sind, ob wir das „dürfen“.
Erkenntnis #3: Auf Vertrauen muss man nicht warten – es ist ein bewusster Schritt
„Vertrauen ist kein Gefühl – es ist eine Entscheidung“ schreibt Mike Mühlegger in seinem Beitrag „Vertrauen aufbauen im Handwerk“. Anderen zu vertrauen ist mutig – wir gehen davon aus, dass andere es gut mit uns meinen. Wenn wir vertrauen, dann riskieren wir auch, mal enttäuscht zu werden. Aber für Mike ist ganz klar: das ist es wert. Man kann entweder darauf warten, dass sich Vertrauen irgendwann einstellt – oder einfach mutig loslegen, und sich bewusst für Vertrauen entscheiden.
Und tatsächlich erlebe ich immer wieder zwei Grundrichtungen bei der Arbeit mit Teams und Führungskräften: manche Menschen sind der Überzeugung, dass man sich Vertrauen erst mal verdienen muss. Vertrauen entsteht in ihren Augen erst, wenn man bewiesen hat, dass man vertrauenswürdig ist.
Die andere Sicht auf Vertrauen ist, dass grundsätzlich alle erst einmal 100% Vertrauen geschenkt bekommt. Das ist auch die Sicht von Conny und Sandor von Over the Maze, die in ihrem Beitrag diesen konkreten Praxis-Tipp geben: „Starte jede Business-Beziehung mit Vertrauen und einem realistischen Vertrauensvorschuss.“
Ann-Christine bringt das in ihrem Beitrag sehr schön mit dem Leitsatz eines ehemaligen Chefs auf den Punkt: „Mein Misstrauen muss man sich erst einmal verdienen“.
Erkenntnis #4: Vertrauen entsteht durch Klarheit – nicht durch Kuschelkurs
Vertrauen wird oft mit Harmonie verwechselt. Dabei heißt Vertrauen nicht, dass es keine Widerworte und Konflikte gibt. Vertrauen bedeutet, dass es einen klaren Rahmen gibt, in dem Menschen sich sicher bewegen können. Connie von OverTheMaze bringt es in ihrem Beitrag auf den Punkt: „Vertrauen entsteht, wenn Menschen wissen, woran sie sind.“ Das heißt im Führungskontext: Entscheidungen treffen, Grenzen setzen, Verantwortung sichtbar machen – auch auf die Gefahr hin, nicht gemocht zu werden.
Vertrauen hat viel mit klarer Kommunikation zu tun. Und klar heißt, die ungeschönte Wahrheit – auch wenn sie manchmal weht tut. Gerade im Führungskontext ist es wichtig, „den Kern der Sache klipp und klar zu benennen und zu kommunizieren“ schreibt Marcus Raitner. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Vertrauen braucht nicht nur Klarheit in den Worten, sondern auch im Handeln. Wenn Worte und Taten nicht übereinstimmen, dann bröckelt das Vertrauen.
Auch eigene Klarheit ist wichtig, um Vertrauen zu schaffen. Wer selbst unsicher ist, überträgt das auf sein Umfeld und wird auch von anderen nicht als verlässlich erlebt.
Erkenntnis #5: Die Basis für Vertrauen ist Selbstvertrauen
Anderen Vertrauen schenken kann nur, wer sich selbst vertraut. Denn Vertrauen entsteht in uns selbst – nicht im außen. Warum Selbstvertrauen die Basis für Vertrauen ist, beschreibt Nicole Tonoli in ihrem Beitrag „Vertrauen entsteht in dir“. In ihrem Beitrag gibt sie konkrete Anregungen, wie wir das Vertrauen in uns selbst stärken können – z.B. durch Gedankenkontrolle, Entscheidungsfreude, Erfolge feiern oder positive Selbstgespräche.
Selbstvertrauen beginnt genauso wie Vertrauen mit einer bewussten Entscheidung dafür. Und genauso wie Vertrauen durch viele, kleine alltägliche Gesten im Miteinander gestärkt wird, so lässt sich auch unser inneres „Selbstvertrauens-Fass“ durch viele kleine Handlungen und Gedanken im Alltag stetig füllen.
Erkenntnis #6: Die Körpersprache von Vertrauen
Gibt es bestimmte Signale in der Körpersprache, die Vertrauen schaffen? Diese Frage habe ich dem Körpersprache-Experten Stefan Verra gestellt. Leider hat Stefan keinen Blog – aber er hat seine Gedanken dazu in diesem LinkedIn Beitrag formuliert.
Die für mich interessante Erkenntnis: es gibt nicht „die“ Körpersprache des Vertrauens. Es hängt immer vom Kontext und der eigenen Verfasstheit ab, ob wir ein bestimmtes Verhalten und körpersprachliche Signale als vertrauensfördernd wahrnehmen oder nicht.
Stefan schreibt dazu:
„Vertrauen tun wir jenen Menschen, die uns im Moment genau jenes Gefühl geben, das wir im Moment dringend brauchen. Wenn wir besonders beunruhigt sind und nach Stabilität suchen, dann fühlen wir uns bei Menschen aufgehoben, die mit ihrer Körpersprache Ruhe und Gelassenheit signalisieren. Sie sind dann für uns der Fels in der Brandung.“
„Wollen wir aber ein ausgelassenes Wochenende mit viel Aktivität und Lebensfreude erleben, wäre dieser Fels in der Brandung nicht besonders vertrauenswürdig, diesen Wunsch zu erfüllen. Wir vertrauen dann eben jemanden, der uns mit viel Temperament und energetischer Körpersprache begegnet.“
Wenn wir also auch körpersprachlich Vertrauen vermitteln wollen, ist es wichtig erst mal wahrzunehmen, was unser Gegenüber gerade braucht. Und das kann von Person zu Person in ein und derselben Situation etwas ganz unterschiedliches sein.
Erkenntnis #7: Vertrauen braucht gesunde Grenzen
Vertrauen ist gut. Es kann aber auch zum Problem werden. Nämlich dann, wenn das Vertrauen eines Menschen von anderen Menschen enttäuscht, ausgenutzt oder instrumentalisiert wird. Andrea Sam spricht dieses wichtige Thema in ihrem Blogbeitrag „Vertrauen ist gut, aber nicht immer klug“ an. Sie erzählt, welche Wirkung es auf Mitarbeitende haben kann, wenn sie im guten Glauben und Vertrauen handeln – und dabei sogar über Grenzen der Belastbarkeit gehen – um dann irgendwann zu erfahren, dass das, worauf sie vertraut haben, keinen Bestand mehr hat.
Im Organisationskontext führt enttäuschtes Vertrauen dazu, dass Mitarbeitende dann dazu neigen, sich eher für den kurzfristigen persönlichen Gewinn einzusetzen, statt auf den gemeinsamen, langfristigen Erfolg. Dieses Phänomen beschreibt Marcus Raitner in seinem Artikel „Vertrauen ist der Klebstoff des Lebens“, in dem er eine interessante Neu-Auflage des berühmten „Marshmallow-Tests“ beschreibt.
Vertrauen braucht also auch gesunde Grenzen. Blindes Vertrauen kann gefährlich werden. Genauso wie pauschale „vertraut-mir-einfach“-Appelle.
Es braucht immer mal wieder eine Justierung: Wem vertraue ich da? Und warum? Worauf stütze ich mein Vertrauen? Ist das noch gerechtfertigt? Und was wäre die Konsequenz, wenn es enttäuscht wird?
Und auf der anderen Seite: wie viel Vertrauen meines Gegenübers kann ich verantworten? Bin ich klar genug, was mein Gegenüber tatsächlich erwarten darf, und was nicht? Bin ich transparent genug über die Umstände, die ich selbst nicht kontrollieren kann?
Diese Fragen helfen dabei, bewusstes Vertrauen zu schaffen – statt blindem Vertrauen.
Hast du weitere interessante Perspektiven auf Vertrauen? Wenn du sie teilen möchtest: dein Beitrag zur Blogparade ist auch jetzt noch herzlich willkommen. Verlinke dazu einfach deinen Beitrag in den Kommentaren dieses Artikels.
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